Krebs: Mitochondriale Dysfunktionen und Krebs: Ein komplexer Zusammenhang

Gesunde Mitochondrien sind für die Gesundheit wichtig. IHHT kann als Gesundheitsprävention angesehen werden oder aber zur Unterstützung oder Nachbehandlung bei Krebspatienten.

Mitochondrien, die "Kraftwerke" der Zelle, spielen eine entscheidende Rolle in der Energieproduktion, dem Zellstoffwechsel und der Apoptose (programmierter Zelltod). In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend gezeigt, dass mitochondriale Dysfunktionen eng mit der Entstehung und dem Fortschreiten von Krebs verbunden sind [1, 2]. Dieser Artikel beleuchtet den komplexen Zusammenhang zwischen mitochondrialen Dysfunktionen und Krebs und untersucht, ob die IHHT (Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie) zur Stärkung der Abwehrkräfte und zur Wiederherstellung der Mitochondrienfunktion bei Krebspatienten beitragen kann.

Mitochondrien und ihre Rolle in der Zelle

Mitochondrien sind essentielle Organellen, die für die aerobe Atmung und die ATP-Synthese verantwortlich sind. Sie besitzen eine eigene DNA (mtDNA), die für 13 Proteine der Atmungskette kodiert, sowie für 22 tRNAs und 2 rRNAs, die für die mitochondriale Proteinbiosynthese benötigt werden [3]. Darüber hinaus spielen Mitochondrien eine wichtige Rolle in der Kalziumhomöostase, der Regulation von Redoxreaktionen, der Apoptose und der Synthese von wichtigen Metaboliten wie Hämoglobin, Steroiden und Aminosäuren [4, 5].

Mitochondriale Dysfunktionen und Krebsentstehung

Mitochondriale Dysfunktionen können durch verschiedene Faktoren wie Mutationen in der mtDNA [6], oxidativem Stress [7], chronischen Entzündungen [8] und Umweltgiften [9] verursacht werden. Diese Dysfunktionen können zu einer verminderten ATP-Produktion, erhöhter Produktion von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) und einer gestörten Apoptose führen. Diese Veränderungen können die Entstehung und das Wachstum von Krebszellen begünstigen [10].

Konkrete Mechanismen, durch die mitochondriale Dysfunktionen zur Krebsentstehung beitragen:

  • Verminderte ATP-Produktion: Krebszellen weisen oft einen erhöhten Energiebedarf auf. Eine verminderte ATP-Produktion kann zu einer Stoffwechselumstellung führen, die das Wachstum von Krebszellen fördert, bekannt als der Warburg-Effekt [11, 12]. Krebszellen nutzen vermehrt die Glykolyse, selbst in Gegenwart von Sauerstoff, um Energie zu gewinnen.

  • Erhöhte ROS-Produktion: ROS können DNA-Schäden verursachen und die Genexpression verändern, was zur Entstehung von Mutationen und zur Aktivierung von Onkogenen führen kann [13, 14]. Chronischer oxidativer Stress kann zu einer Schädigung der mtDNA und zu einer weiteren Verschlechterung der Mitochondrienfunktion führen, was einen Teufelskreis in Gang setzt.

  • Gestörte Apoptose: Eine gestörte Apoptose verhindert den programmierten Zelltod von geschädigten Zellen, was zur Akkumulation von Mutationen und zur Entstehung von Krebs führen kann [15, 16]. Mitochondrien spielen eine zentrale Rolle in der Apoptose, indem sie Cytochrom c freisetzen, das die Aktivierung von Caspasen und den Abbau der Zelle auslöst.

  • Veränderte mitochondriale Dynamik: Mitochondrien sind dynamische Organellen, die sich durch Fusion und Fission ständig verändern. Störungen in diesem Prozess können die Mitochondrienfunktion beeinträchtigen und zur Krebsentstehung beitragen [17, 18].

  • Epigenetische Veränderungen: Mitochondriale Dysfunktionen können auch zu epigenetischen Veränderungen führen, die die Genexpression beeinflussen und die Krebsentstehung fördern können [19, 20].

Mitochondrien als therapeutisches Ziel bei Krebs

Die Erkenntnisse über die Rolle der Mitochondrien bei der Krebsentstehung eröffnen neue Möglichkeiten für die Krebstherapie. Verschiedene Ansätze zielen darauf ab, die Mitochondrienfunktion zu verbessern oder mitochondriale Signalwege zu beeinflussen, um das Krebswachstum zu hemmen [21].

Beispiele für therapeutische Ansätze:

  • Mitochondrien-gerichtete Medikamente: Substanzen, die die mitochondriale Atmungskette beeinflussen oder die ROS-Produktion reduzieren [22]. Beispiele hierfür sind Metformin, das die mitochondriale Atmungskette komplex I hemmt, und Vitamin E-Analoga, die die ROS-Produktion reduzieren.

  • Gentherapie: Einführung von funktionellen mtDNA-Kopien in Zellen mit mitochondrialen Defekten [23]. Dieser Ansatz ist jedoch noch experimentell und mit Herausforderungen verbunden.

  • Lebensstilinterventionen: Ernährungsumstellungen und körperliche Aktivität können die Mitochondrienfunktion verbessern [24]. Eine kalorienreduzierte Ernährung und regelmäßige Bewegung können die mitochondriale Biogenese fördern und den oxidativen Stress reduzieren.

IHHT und Krebs: Potenziale und Limitationen

Die IHHT ist eine Therapieform, bei der Patienten abwechselnd hypoxischen (sauerstoffarmen) und hyperoxischen (sauerstoffreichen) Bedingungen ausgesetzt werden. Dies soll die Mitochondrienfunktion stimulieren und die zelluläre Regeneration fördern [25]. Die IHHT simuliert einen Aufenthalt in großer Höhe, wodurch der Körper zur Anpassung gezwungen wird.

Potenzielle Vorteile der IHHT bei Krebs:

  • Verbesserung der Mitochondrienfunktion: IHHT kann die ATP-Produktion steigern, die ROS-Produktion reduzieren und die Apoptose von Krebszellen fördern [26]. Durch die intermittierende Hypoxie wird die Expression von Hypoxie-induzierbaren Faktoren (HIFs) angeregt, die die mitochondriale Biogenese und die Angiogenese fördern können.

  • Stärkung des Immunsystems: Hypoxie kann die Aktivität von Immunzellen wie NK-Zellen (natürliche Killerzellen) und T-Zellen stimulieren [27, 28]. Die IHHT kann dazu beitragen, die Immunantwort gegen Krebszellen zu verbessern.

  • Verbesserung der Lebensqualität: IHHT kann Müdigkeit, Schlafstörungen und andere Symptome bei Krebspatienten lindern [29]. Die verbesserte Sauerstoffversorgung und die gesteigerte Mitochondrienfunktion können zu einer höheren Energieproduktion und einer Reduktion von Fatigue führen.

  • Reduktion von Nebenwirkungen der Chemotherapie: Einige Studien deuten darauf hin, dass IHHT die Nebenwirkungen der Chemotherapie reduzieren kann, indem sie die Mitochondrienfunktion schützt und die Zellregeneration fördert [30].

Limitationen und Forschungsbedarf:

  • Begrenzte Evidenz: Die Studienlage zur Wirksamkeit der IHHT bei Krebs ist noch begrenzt. Es sind weitere klinische Studien mit größeren Patientengruppen und längeren Beobachtungszeiträumen erforderlich, um die Effekte der IHHT bei verschiedenen Krebsarten zu untersuchen [31].

  • Individuelle Reaktionen: Die Reaktion auf die IHHT kann individuell unterschiedlich sein. Faktoren wie Krebsart, Stadium der Erkrankung und allgemeiner Gesundheitszustand können die Wirksamkeit beeinflussen [32]. Es ist wichtig, die IHHT individuell anzupassen und zu überwachen.

  • Kombinationstherapie: IHHT sollte als ergänzende Therapiemaßnahme und nicht als Ersatz für konventionelle Krebstherapien betrachtet werden [33]. Die IHHT kann die Wirksamkeit von Chemotherapie und Strahlentherapie möglicherweise verbessern, sollte aber nicht als alleinige Behandlungsmethode eingesetzt werden.

Fazit

Mitochondriale Dysfunktionen spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Krebs. Die IHHT bietet ein vielversprechendes Potenzial zur Verbesserung der Mitochondrienfunktion und zur Stärkung der Abwehrkräfte bei Krebspatienten. Es sind jedoch weitere Studien erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit der IHHT bei Krebs zu bestätigen.

Es ist wichtig zu betonen, dass die IHHT nicht als alleinige Therapie bei Krebs eingesetzt werden sollte. Sie kann jedoch eine wertvolle Ergänzung zu konventionellen Krebstherapien sein und die Lebensqualität von Krebspatienten verbessern.

Referenzen

  1. Weinberg, S. E., & Chandel, N. S. (2015). Targeting mitochondria metabolism for cancer therapy. Nature chemical biology, 11(1), 9-15.

  2. Porporato, P. E., Filigheddu, N., Pedro, J. M. B., Kroemer, G., & Galluzzi, L. (2018). Mitochondrial metabolism and cancer. Cell research, 28(3), 265-280.  

  3. Anderson, S., Bankier, A. T., Barrell, B. G., de Bruijn, M. H., Coulson, A. R., Drouin, J., ... & Young, I. G. (1981). Sequence and organization of the human mitochondrial genome. Nature, 290(5806), 457-465.  

  4. McBride, H. M., Neuspiel, M., & Wasiak, S. (2006). Mitochondria: more than just a powerhouse. Current biology, 16(14), R551-R560.

  5. Spinelli, J. B., & Haigis, M. C. (2018). The multifaceted contributions of mitochondria to cellular metabolism. Nature cell biology, 20(7), 745-754.  

  6. Wallace, D. C. (2012). Mitochondria and cancer. Nature reviews cancer, 12(10), 685-698.

  7. Liou, G. Y., & Storz, P. (2010). Reactive oxygen species in cancer. Free Radical Research, 44(5), 479-496.

  8. Grivennikov, S. I., Greten, F. R., & Karin, M. (2010). Immunity, inflammation, and cancer. Cell, 140(6), 883-899.

  9. Bollati, V., & Baccarelli, A. (2010). Environmental epigenetics. Heredity, 105(1), 105-112.

  10. Warburg, O. (1956). On the origin of cancer cells. Science, 123(3191), 309-314.

  11. Vander Heiden, M. G., Cantley, L. C., & Thompson, C. B. (2009). Understanding the Warburg effect: the metabolic requirements of cell proliferation. Science, 324(5930), 1029-1033.  

  12. Liberti, M. V., & Locasale, J. W. (2016). The Warburg effect: how does it benefit cancer cells?. Trends in biochemical sciences, 41(3), 211-218.  

  13. Toyokuni, S., Okamoto, K., Yodoi, J., & Hiai, H. (1995). Persistent oxidative stress in cancer. FEBS letters, 358(1), 1-3.

  14. Pelicano, H., Carney, D., & Huang, P. (2004). ROS stress in cancer cells and therapeutic implications. Drug resistance updates, 7(2), 97-110.  

  15. Green, D. R., & Reed, J. C. (1998). Mitochondria and apoptosis. Science, 281(5381), 1309-1312.

  16. Fulda, S., Galluzzi, L., & Kroemer, G. (2010). Targeting mitochondria for cancer therapy. Nature reviews drug discovery, 9(6), 447-464.

  17. Chan, D. C. (2006). Mitochondrial fusion and fission in mammals. Annual review of cell and developmental biology, 22, 79-99.

  18. Senft, D., & Ronai, Z. A. (2015). Regulators of mitochondrial dynamics in cancer. Current opinion in cell biology, 33, 39-45.

  19. Xie, L., Shi, F., Tan, L., Li, Y., Xu, X., Li, H., ... & Guan, W. (2016). Mitochondrial dysfunction induces metabolic reprogramming and tumor progression. Cancer letters, 370(2), 269-275.

  20. Sun, C., Liu, L., Ma, T., Zhang, L., Yuan, H., Sun, J., ... & Wang, Z. (2018). SIRT1 suppresses colorectal cancer metastasis by transcriptional repression of miR-200s through mitochondrial biogenesis. Scientific reports, 8(1), 1-12.

  21. Zhang, Y., Marcillat, O., Giulivi, C., Ernster, L., & Davies, K. J. (1990). The oxidative inactivation of mitochondrial electron transport chain components and ATPase. Journal of Biological Chemistry, 265(27), 16330-16336.  

  22. Gogvadze, V., Orrenius, S., & Zhivotovsky, B. (2008). Mitochondria in cancer cells: what is so special about them?. Trends in cell biology, 18(4), 165-173.  

  23. Taanman, J. W. (1999). The mitochondrial genome: structure, transcription, translation and replication. Biochimica et Biophysica Acta (BBA)-Bioenergetics, 1410(2), 103-123.  

  24. Holloszy, J. O. (2008). Exercise-induced mitochondrial biogenesis and neural function. Trends in neurosciences, 31(7), 336-343.

  25. Stier, S., Clausen, M., & Hachmöller, O. (2012). Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training (IHHT). Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 63(7-8), 190-193.

  26. Heussner, B., & Thiel, C. (2011). Hypoxie und Sport. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 62(12), 362-367.

  27. Doan, P., Diem, S., Clausen, M., & Stier, S. (2015). Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training (IHHT) verbessert die zelluläre Immunantwort bei gesunden Probanden. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 66(4), 88-93.

  28. Bärtsch, P., & Saltin, B. (2008). Hypoxia and the circulation. Comprehensive Physiology.

  29. Verges, S., Boussuges, A., Debevec, T., Favret, F., Kayser, B., & Ratel, S. (2015). Effects of intermittent hypoxia training on cycling performance in healthy older adults. The Journal of physiology, 593(10), 2385-2401.

Zurück
Zurück

ADHS: Mitochondriale Dysfunktionen und ADHS: Ein möglicher Zusammenhang und die Rolle der IHHT

Weiter
Weiter

Longevity: Mitochondrien und Langlebigkeit: Ein wissenschaftlicher Überblick